Micron Document
____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|


The NomadNet German Wikipedia | Archives | Info
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b

🔍 Search

ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ

Pentameter
──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
top
Pentameter (altgriechisch Ï€Î”ÎœÏ„ÎŹÎŒÎ”Ï„ÏÎżÏ‚ pentĂĄmetros von πέΜτΔ pĂ©nte „fĂŒnf“ und ÎŒÎ­Ï„ÏÎżÎœ mĂ©tron „Maß“, sinngemĂ€ĂŸ: „mit fĂŒnf Maßen“, als Adjektiv zu ÏƒÏ„ÎŻÏ‡ÎżÏ‚ stichos „Vers“ zu denken) ist in der antiken quantitierenden Metrik ein sechshebiges daktylisches Versmaß. Der Name „Pentameter“ ist also dem Wortsinn nach irrefĂŒhrend. Der Pentameter erscheint praktisch ausschließlich als zweiter Vers des elegischen Distichons, dessen erster Vers ein Hexameter ist.

Die den Pentameter verwendenden Sprachen der Antike, Griechisch und Latein, haben andere Eigenschaften als die deutsche Sprache; daher unterscheidet sich der Aufbau des Pentameters im Deutschen in einigen Punkten vom Aufbau des antiken Vorbilds.

In anderen modernen Sprachen bezeichnet „Pentameter“ allgemein den FĂŒnfheber, was im Fall des jambischen FĂŒnfhebers eigentlich nicht korrekt ist, da das jambische Metron aus zwei VersfĂŒĂŸen besteht, ein jambischer Pentameter wĂ€re daher zehnfĂŒĂŸig.

Contents

‱ Metrum
‱ Versbeginn
‱ DihĂ€rese
‱ Versschluss
‱ Wirkung
‱ Sonstiges
‱ Literatur
‱ Weblinks

──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

Antiker Pentameter

Im antiken Pentameter sind der dritte und der sechste Daktylus jeweils einsilbig katalektisch, das heißt, er besteht nur aus einer einzigen langen Silbe ohne nachfolgende kurze Silben. Durch eine vorgeschriebene DihĂ€rese nach dem dritten Daktylus wird der Vers rhythmisch in zwei parallele, dreifĂŒĂŸige Halbverse (Kola) gegliedert. Der erste und der zweite Daktylus können auch durch einen Spondeus (zwei longa, ——) ersetzt werden.


—◡◡ˌ—◡◡ˌ— ‖ —◡◡ˌ—◡◡ˌ◠

Ein Beispiel aus den Epigrammen Martials (1,57):

Nec volo quod cruciat, nec volo quod satiat.

Weder hab’ ich, was quĂ€lt, weder, was sĂ€ttiget, gern.

Die ZĂ€hlung des Pentameters als „fĂŒnffĂŒĂŸiger“ Vers dĂŒrfte in der Antike dadurch aufgekommen sein, dass der Vers als zwei „halbe Hexameter“ (Hemiepes) aufgefasst und hierbei die beiden katalektischen FĂŒĂŸe als jeweils „halber“ Fuß zusammengezĂ€hlt wurden, oder auch durch falsche Messung, bei der unter Missachtung der DihĂ€rese die beiden aufeinanderfolgenden LĂ€ngen als ein Spondeus zusammengefasst und die nachfolgenden Silben als zwei AnapĂ€ste (zwei kurze Silben gefolgt von einer langen) gedeutet wurden.

Deutscher Pentameter

Metrum

In der akzentuierenden Metrik des Deutschen wird das klassische Versmaß durch eine entsprechende Folge von Hebungen und Senkungen nachgebildet, wobei aber als Ersatz der ersten beiden Daktylen keine Spondeen, die akzentuierend schwer nachzubilden sind, sondern TrochĂ€en (eine betonte Silbe gefolgt von einer unbetonten, —◡) verwendet werden:

—◡(◡)ˌ—◡(◡)ˌ— ‖ —◡◡ˌ—◡◡ˌ—


Hoch in heiterer Luft siehet der Falke sich um.

—◡ˌ—◡◡ˌ— ‖ —◡◡ˌ—◡◡ˌ—

Allerdings werden, wenn es sinnvoll erscheint (zum Beispiel bei Versen von Dichtern, die ausdrĂŒcklich den antiken Vers nachzubilden versuchen), zweifĂŒĂŸige VersfĂŒĂŸe von vielen Metrikern als Spondeus verstanden und gekennzeichnet. Aus August von Platens UmiltĂ  in Piosta:

War nur ein Handwerksmann, aber die Zierde der Kunst.

a) —◡◡ˌ—◡ˌ— ‖ —◡◡ˌ—◡◡ˌ—
b) —◡◡ˌ——ˌ— ‖ —◡◡ˌ—◡◡ˌ—

Hier ist „Handwerks-“ ein zweisilbiger Fuß, der als TrochĂ€us dargestellt (a), aber, durch die Schwere der Silbe „-werks-“, auch als Spondeus aufgefasst werden kann (b).

Anders in Platens Griechen und Pietisten:

Aber sie ward Handwerk, schwatzender Pöbel, in dir.

—◡◡ˌ——ˌ— ‖ —◡◡ˌ—◡◡ˌ—

Hier bildet „Handwerk“ zusammen mit dem die davor befindliche Hebung besetzenden „ward“ einen geschleiften Spondeus an einer Stelle des Pentameters, unmittelbar vor der DihĂ€rese, die sehr empfindlich ist. Daher ist die Bezeichnung als Spondeus sinnvoll, damit der Wille des Verfassers, hier einen antiken Spondeus so wirksam wie möglich nachzubilden, verstĂ€ndlich wird und vom Leser im (lauten oder inneren) Vortrag bestmöglich verwirklicht werden kann.

Gelegentlich wird in der deutschen Dichtung auch ein Versfuß der zweiten VershĂ€lfte als zweisilbiger Fuß verwirklicht, was aber der Aufgabe des Pentameters widerspricht und daher nur bei wenigen Verfassern vorkommt. Ein frĂŒhes Beispiel aus Friedrich Gottlieb Klopstocks Die kĂŒnftige Geliebte (1747):

Wenn im Liede mein Herz halb gesagt dir gefÀllt!

—◡ˌ—◡◡ˌ— ‖ —◡ˌ—◡◡ˌ—

Versbeginn

Im deutschen Pentameter ist wie auch im deutschen Hexameter die den Vers eröffnende Hebung oft nicht mit einer betonungsfordernden Silbe besetzt, sondern mit einer Silbe, die Betonung lediglich ermöglicht. Das schwĂ€cht den Vers und ist schon frĂŒh als Verseigenschaft erkannt worden, auf die geachtet werden muss.

Des Gesetzes Gespenst steht an der Könige Thron.

Über den ersten, zweisilbigen Fuß dieses Pentameters, „Des Ge-“, schreibt Friedrich Schiller am 29. November 1795 anlĂ€sslich eines Austauschs ĂŒber seine Elegie Der Spaziergang an Wilhelm von Humboldt, ihn „wird ein Rigorist schwerlich verzeihen.“

Erste VershÀlfte

In der ersten VershĂ€lfte des Pentameters können die ersten beiden, dreisilbigen VersfĂŒĂŸe (Daktylen) gegen zweisilbige VersfĂŒĂŸe ausgetauscht werden (TrochĂ€en oder, seltener, Spondeen). Damit ergeben sich, bei stets gleicher zweiter VershĂ€lfte, vier verschiedene Pentameter: Erster Fuß dreisilbig, zweiter Fuß dreisilbig (33), erster Fuß zweisilbig, zweiter Fuß dreisilbig (23), erster Fuß dreisilbig, zweiter Fuß zweisilbig (32), erster Fuß zweisilbig, zweiter Fuß zweisilbig (22). In dieser Reihenfolge erscheinen die vier Pentameter in Johann Wolfgang Goethes Der neue Pausias und sein BlumenmĂ€dchen in den Distichen 33–36:

Sie
Und der rohe Timanth ergriff mich, und sagte: Die Hummeln
Forschen des herrlichen Kelchs sĂŒĂŸe Geheimnisse wohl?
Er
Und du wandtest dich weg, und wolltest fliehen; es stĂŒrzten
Vor dem tÀppischen Mann Körbchen und Blumen hinab.
Sie
Und du riefst ihm gebietend: Das MĂ€dchen lass' nur! Die StrĂ€uße,
So wie das MĂ€dchen selbst, sind fĂŒr den feineren Sinn.
Er
Aber fester hielt er dich nur; es grinste der Lacher,
Und dein Kleid zerriss oben vom Nacken herab.

Über grĂ¶ĂŸere Mengen von Distichen hinweg tauchen diese Pentameterformen aber nicht gleich hĂ€ufig auf. FĂŒr Goethes Elegien ist ausgezĂ€hlt worden: 23 55,2 %, 33 36,1 %, 32 6,2 %, 22 2,5 %. Die entsprechenden Werte fĂŒr Schiller: 23 48,4 %, 33 42,0 %, 32 9,6 %, 22 0,0 %.cite-ref-1[1] Anhand solcher Zahlen lassen sich einmal RĂŒckschlĂŒsse auf den allgemeinen Bau des Pentameters ziehen, wie etwa, dass der zweite Versfuß in der ĂŒberwĂ€ltigenden Anzahl der Verse dreisilbig ist; zum anderen wird das persönliche VersverstĂ€ndnis des einzelnen Dichters sichtbar, wie etwa in Schillers völligem Verzicht auf die Form 22.

DihÀrese

Der Einschnitt in der Mitte des Pentameters fĂ€llt hĂ€ufig mit einem Satz-, was meint: Sinneinschnitt, zusammen; Beispiele sind die beiden unter „Metrum“ gezeigten Pentameter Platens. Der Satz kann aber auch ohne eigenen Einschnitt ĂŒber den Verseinschnitt hinwegziehen; Beispiele sind die unter „Metrum“ gezeigten Pentameter Hölderlins und Klopstocks. Als dritte Möglichkeit können sich Vers- und Sinnabschnitt in unmittelbarer Nachbarschaft verwirklichen, also um eine oder zwei Silben gegeneinander verschoben sein. Ein Beispiel aus Hugo von Hofmannsthals Erkenntnis:

Schwieg ich auf ewige Zeit | still: denn ich wĂŒsste genug.

Hier tritt der Verseinschnitt (|) eine Silbe frĂŒher ein als der durch den Doppelpunkt gekennzeichnete Satzeinschnitt. In solchen FĂ€llen empfiehlt es sich, auch den Verseinschnitt durch ein leichtes Zögern bzw. Absetzen im Vortrag hörbar zu machen.

Der Satzeinschnitt kann auch vor dem Verseinschnitt liegen. Ein Beispiel aus Muse und Dichter von Eduard Mörike:

Schlafe! TrĂ€ume nur! Still | ruf' ich dir HĂŒlfe herab.

Hier tritt der Satzeinschnitt zuerst ein, eine Silbe vor dem Verseinschnitt (|).

Möglich ist auch ein Satzeinschnitt vor der DihĂ€rese, verbunden mit einem zweiten Satzeinschnitt hinter ihr. Der Vers zerfĂ€llt dann in drei Teile, und wenn die beiden Satzeinschnitte jeweils einen Abstand von zwei Silben zur DihĂ€rese haben, wird ein im Deutschen seltener Wortfuß vernehmbar, der Antispast. Ein Beispiel aus Prognostikon von Gustav Schwab:

FĂ€llt mit Schanden, ein Spott | Feinden, und Freunden ein Graun.

Die beiden Satzeinschnitte sind durch die Kommata gekennzeichnet, um den Verseinschnitt (|) herum baut sich der Antispast auf, „ein Spott Feinden“, ◡——◡.

In den meisten FĂ€llen schließt im Pentameter auf der Hebung vor der DihĂ€rese, die den ersten Halbvers schließt, auch ein Wort; nur selten geht ein Wort ĂŒber diese Grenze hinweg. Ein Beispiel findet sich in An Agnes GrĂ€fin zu Stolberg von Johann Heinrich Voß:

Atmetest, unter des Rohrsperlinges hellem Gesang;

Hier liegt die DihĂ€rese zwischen „Rohr-“ und „-sper-“. In solchen FĂ€llen folgen auf die Silbe, die die Hebung unmittelbar nach der DihĂ€rese besetzt („-sper-“), oft zwei sehr flĂŒchtige Silben („-lin-“, „-ges“), was der vorausgehenden Hebungssilbe zusĂ€tzlichen Nachdruck gibt und ihr ermöglicht, sich gegen die Silbe auf der Hebung vor der DihĂ€rese („Rohr-“) zu behaupten. Auf diese Weise bildet sich oft ein ionischer Wortfuß, hier „Rohrsperlinges“, ——◡◡. Auch in solchen FĂ€llen sollte der Vortrag die DihĂ€rese auf irgendeine Art hörbar machen.

Die Hebung vor der DihĂ€rese ist fĂŒr gewöhnlich mit einer sehr starken Silbe besetzt, so dass sie sich der unmittelbar folgenden Hebungssilbe hinter der DihĂ€rese gegenĂŒber behaupten kann und nicht „gedrĂŒckt“ wird. Steht doch einmal eine schwĂ€chere Silbe, hilft ihr oft der inhaltliche Zusammenhang. Ein Distichon Goethes, aus den Vier Jahreszeiten:

Immer war mir das Feld und der Wald, und der Fels und die GĂ€rten
Nur ein Raum, und du machst sie, Geliebte, zum Ort.

Hier rechtfertigt der inhaltliche Bezug, das eigentlich schwĂ€chere „du“ auf der Hebung vor der DihĂ€rese so stark zu betonen, dass es gegen das folgende „machst“ bestehen kann.

Zweite VershÀlfte

In der zweiten HĂ€lfte des Pentameters sind der vierte und der fĂŒnfte Versfuß immer Daktylen; dies ist die Stelle, an der sich der daktylische Grundrhythmus des Pentameters wie des gesamten Distichons am deutlichsten ausprĂ€gt. Daher werden hier im Allgemeinen auch nur sehr „saubere“ Daktylen verwendet, also solche, deren Hebung von einer starken Silbe besetzt ist und deren Senkungssilben möglichst wenig Gewicht haben, was meint: keine Nebenbetonung tragen.

Ton, Gestalt, und ein Hauch des nicht mehr Sagbaren geistert
Schöpferisch, und schon allein, durch die verlustreiche Zeit.

In diesem Distichon Josef Weinhebers (aus FĂŒr Richard Strauß) ist die Senkung des fĂŒnften Pentameter-Fußes daher auffallend schwer besetzt; „-reiche“ trĂ€gt eine Nebenbetonung.

Versschluss

Die letzte Silbe des Pentameters, die im antiken Vers lang oder kurz sein kann, ist im deutschen Vers immer betont und fast immer von einer starken Silbe besetzt. Steht ausnahmsweise (meist in möglichst genauer Nachahmung des antiken Vorbilds) doch eine schwache Silbe, schließt der Pentameter gleichzeitig einen Sinnabschnitt. Ein Beispiel bietet der letzte Vers von August Wilhelm Schlegels Die Elegie:

(jedes)
Liebebewegten GemĂŒts linde BewĂ€ltigerin.

Den Versschluss bilden in der Regel ein- oder zweisilbige Wörter. Mehrsilbige Wörter haben eine große Wirkung, sind aber an dieser Stelle schwer zu verwirklichen; Beispiele mit krĂ€ftiger Schlusssilbe finden sich in Schlegels Rom, etwa:

Deren betörender Glanz hegt Basiliskennatur.

In lĂ€ngeren aus Distichen aufgebauten Texten ist Enjambement hĂ€ufig, in Epigrammen der KĂŒrze der Texte wegen seltener; der Satz fließt dabei sowohl vom Hexameter in den Pentameter als auch vom Pentameter in den Hexameter des nĂ€chsten Distichons. Ein neuer Gedanke setzt in deutschen Texten allerdings so gut wie immer mit dem Hexameter ein, so gut wie nie mit dem Pentameter.

Wirkung

Der im Deutschen ausschließlich im elegischen Distichon vorkommende Pentameter kann in seiner Wirkung nur in Bezug auf seinen Partnervers, den Hexameter, und das Gesamtgebilde Distichon verstanden werden. Durch die frei bewegliche ZĂ€sur und die Möglichkeit, in fĂŒnf der sechs VersfĂŒĂŸe zwischen Daktylus, TrochĂ€us und Spondeus zu wechseln, kann sich die Bewegung im das Distichon eröffnenden Hexameter frei entfalten, es entsteht der Eindruck eines ruhigen, breiten Ausströmens; der Pentameter fĂ€ngt durch seinen festen Einschnitt in der Mitte, an dem die Bewegung kurz stockt, und die ausschließlich daktylische zweite VershĂ€lfte diese Vielfalt wieder ein bringt die Bewegung zur Ruhe, wodurch das gesamte Verspaar nachdrĂŒcklich endet und einen Eindruck von großer Geschlossenheit gewinnt.

Rudolf von Gottschall drĂŒckt diesen Zusammenhang in grĂ¶ĂŸtmöglicher Knappheit so aus:cite-ref-2[2]

„Der Hexameter ist zentrifugal, der Pentameter zentripetal.“

Emanuel Geibels Distichen vom Strande der See enthalten einige Epigramme, die entweder unmittelbar das Distichon zum Inhalt haben oder auf das Distichon und die unterschiedliche Wesensart seiner Verse bezogen werden können. Ein Beispiel:

Ob wie ein Spiegel die Woge sich dehnt, ob rasend emporschÀumt,
Ihre gewiesene Bahn wandeln die Sterne dahin.

Nicht-distichische Pentameter

Wie der antike Pentameter wird auch der deutsche Pentameter fast ausschließlich in Verbindung mit dem Hexameter im elegischen Distichon verwendet; Wilhelm Langewiesche hĂ€lt es aber fĂŒr möglich, „zuweilen auch wenigstens kleine Gedichte geeigneten Stoffs aus Pentametern allein zu bilden, welche dann auch mit Vorteil gereimt werden können“cite-ref-3[3], und gibt als Beispiel einige eigene Verse:

Jetzt, da zum Mann ich gereift, seufz’ ich: „O wĂ€r' ich noch jung!“
Ach, und die RĂ€der der Zeit rollen in raschestem Schwung.

Bei Theodor Robert Grosewsky findet sich zwischen elegischen Distichen ein anderes, thematisch verwandtes Beispiel:

FlĂŒchtig, Freund, ist die Zeit, flĂŒcht'ger als Schwalbe und Wind,
Aber am flĂŒchtigsten, ach! wenn wir am glĂŒcklichsten sind.

Johann Heinrich Friedrich Meineke hĂ€lt die Verbindung des Pentameters mit anderen Versen als dem Hexameter fĂŒr möglichcite-ref-4[4] und gibt als Beispiel unter anderem eine eigene Beispielstrophe aus drei phalĂ€kischen Versen und einem schließenden Pentameter:

Freundin, wandere nicht mehr zu dem Grabe
Des im Leben Geliebten. Tausend deiner
TrĂ€nen wecken ihn nicht zurĂŒck in deine
Arme: bannen den Geist nicht in den Moder zurĂŒck.

Friedrich Gottlieb Klopstock verwendet den Pentameter zweimal als ersten Vers einer vierzeiligen Odenstrophe, in Sie und Die Erscheinungen. Die erste Strophe von Sie:

Freude, wem gleichst du? Umsonst streb' ich zu wÀhlen, du bist
Allem, was schöner ist, gleich, allem, das hoch
Sich erhebet, allem, was ganz
RĂŒhret das Herz.

Diese und andere, vergleichbare Versuche sind aber ohne Nachfolge geblieben. GrĂ¶ĂŸere Bedeutung hat die Verwendung des Pentameters durch Rainer Maria Rilke in den Duineser Elegien und den Sonetten an Orpheus. In den meisten der Elegien wandelt Rilke die Verse des Distichons, Hexameter und Pentameter, auf verschiedenste Art ab, es finden sich aber auch wirkliche Hexa- und Pentameter. Ein Beispiel gibt die sechste Elegie, V15, V16:

Helden vielleicht und den frĂŒhe HinĂŒberbestimmten,
denen der gÀrtnernde Tod anders die Adern verbiegt.

Der erste Vers ist ein katalektischer daktylischer FĂŒnfheber (der, zu Beginn um einen Versfuß ergĂ€nzt, einen tadellosen Hexameter ergĂ€be), der zweite Vers ein nicht zu beanstandender Pentameter; insgesamt ist die Distichon-Form als Vorlage noch erkennbar.

Bei den Sonetten an Orpheus sind im zehnten Sonett des zweiten Teils alle geradzahligen Verse der Quartette (gereimte) Pentameter:

Alles Erworbne bedroht die Maschine, solange
sie sich erdreistet, im Geist, statt im Gehorchen, zu sein.
Dass nicht der herrlichen Hand schöneres Zögern mehr prange,
zu dem entschlossenen Bau schneidet sie steifer den Stein.
Nirgends bleibt sie zurĂŒck, dass wir ihr ein Mal entrönnen
und sie in stiller Fabrik ölend sich selber gehört.
Sie ist das Leben – sie meint es am besten zu können,
die mit dem gleichen Entschluss ordnet und schafft und zerstört.

V2, V4, V6, V8 sind nach der Regel gebaute Pentameter; V1 und V7 sind daktylische FĂŒnfheber, die als verkĂŒrzte Hexameter aufgefasst werden können, V3 ein um eine unbetonte Silbe verlĂ€ngerter Pentameter. Auch V5 kann auf diese Weise gelesen werden (Hebungen auf „-rĂŒck“ und „dass“); aber auch die Lesung als Hexameter ist möglich (Hebungen auf „-rĂŒck“ und „wir“). Auch hier ist die Grundstruktur des Distichons noch spĂŒrbar.

Sonstiges

Friedrich August Gotthold hat grundlegende Eigenschaften des Pentameters wie seine Herleitung aus dem Hexameter, seine AbhÀngigkeit vom Hexameter und seinen zweiteiligen Aufbau in einem aus zwei Distichen bestehenden Epigramm beschrieben:

Immer zu wandeln allein!, rief einst der Hexameter klagend;
Echo tönte zurĂŒck: Immer zu wandeln allein!
Und von der Nymphe belehrt, erschuf er sich selbst den GefÀhrten,
Zweimal sprechend das Wort: Immer zu wandeln allein.

HÀufig werden von den beiden Versen des Distichons der Hexameter mit mÀnnlichen, der Pentameter mit weiblichen Eigenschaften in Verbindung gebracht. Gustav Theodor Fechner stellt in einem lÀngeren, das Distichon in Distichen beschreibenden RÀtselgedicht den Hexameter als Mann, den Pentameter als Frau dar und beschreibt die Eigenschaften des Pentameters dabei so:

Niemals geht sie allein, nicht wĂ€r’ es geziemend dem Weibe,
Aber an seiner Hand gerne betritt sie die Flur.
Zarter ist sie gebaut und auch nach anderm VerhÀltnis,
Mit dem holdesten Reiz gĂŒrtet ein Band ihr den Leib.

Literatur

‱ Jakob Minor: Neuhochdeutsche Metrik, TrĂŒbner, Strassburg 1902, S. 311–319.
‱ Otto Knörrich: Lexikon lyrischer Formen (= Kröners Taschenausgabe. Band 479). 2., ĂŒberarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-47902-8, S. 166f.
‱ GĂŒnther Schweikle, Dieter Burdorf (Hrsg.): Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-01612-6, S. 576.

Weblinks

Wiktionary: Pentameter

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Jakob Minor: Neuhochdeutsche Metrik, TrĂŒbner, Strassburg 1902, S. 320.
cite-note-22. ↑ Rudolf von Gottschall: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik. Vom Standpunkte der Neuzeit, erster Band, fĂŒnfte Auflage, Trewendt, Breslau 1892, S. 247.
cite-note-33. ↑ Wilhelm Langewiesche, Ernst Kleinpaul: Poetik. Die Lehre von der deutschen Dichtkunst, neunte Auflage, Heinsius, Bremen 1892, S. 280.
cite-note-44. ↑ Johann Heinrich Friedrich Meineke: Die Verskunst der Deutschen aus der Natur des Rhythmus entwickelt, zweiter Teil, Basse, Quedlinburg und Leipzig 1817, S. 58.